Albtraum Bikepacking

by Sara Hallbauer
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Ab geht’s und auf geht’s: ins Ländle. An Pfingsten 2021 wartet der Albtraum Bikepacking auf mich.

Der Albtraum ist ein Bikepacking Event auf der schwäbischen Alb, das Wolfi und Manuel ins Leben gerufen haben. Als ich das erste Mal davon höre melde ich mich sofort an – schließlich komme ich ursprünglich aus dem Ländle und hab ich in Reutlingen studiert. Eine tolle Gelegenheit meine Heimat auf dem Rad zu erkundschaften – dieses Mal ganz alleine und auf eigene Faust

Leider entfällt wegen Corona der gemeinsame Start am Rossfeld in Metzingen. Für mich bedeutet das, dass ich das Event mit einem Besuch bei meinen Eltern kombiniere und von Ehingen (Donau) starte.

Die Key Facts - Albtraum Bikepacking

Distanz

500 km

Anstieg

9.000 km

Höchster Punkt

Lemberg (1016 m)

Dauer

3-4 Tage

Die Route - Albtraum Bikepacking

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Die Story - Albtraum Bikepacking

Am Samstag morgen geht es los. Die Wetterprognose für das Pfingstwochenende sieht nicht gerade rosig aus. Ich fahre von Ehingen über Allmendingen nach Schmiechen und biege dort auf den Track ab. Auf schönen Gravelstrassen geht es bis in das urige Städtchen Blaubeuren. Hier bietet sich ein kurzer Kaffee Stop am wunderschönen Blautopf an. Doch ich fahre weiter, die Gegend hier kenne ich ja sehr gut. Es geht hoch nach Heroldstadt – hinauf auf die sogenannte „Ulmer Alb“. Es folgen schöne Gravelrouten auf dem Hochplateau bei Münsingen – hier gab es bis 2006 einen Truppenübungsplatz. An den erinnern jedoch nur noch ein paar Warnschilder „Wegen Munitionsbelastung nicht verlassen“. Vom Aussichtspunkt „Gänsewag“ gibt es einen tollen Rundum Blick über das Biospährengebiet Schwäbische Alb.

Hier oben auf der Alb schwätzt man Schwäbisch

Es geht weiter bis nach Donnstetten. Nach 80 Kilometern wird es Zeit für die erste Kaffeepause. Ich freu mich riesig, als ich im Donnstetter Lädle  mit Grüß Gottle“ begrüsst werde und mir die Damen eine frische Budderbrezel schmieren. Da kann ich endlich mal  wieder meinen Dialekt auspacken, sonst heisst es ja immer „Kansch Du koi Schwäbisch mehr?“😉.

Willkommen im Land der Burgen

Nach der Pause geht es weiter zur Burg Teck, die am Ende des Plateaus nach einem saftigen Anstieg hoch oben auf mich wartet. Ich treffe Sandra und Nick, zwei andere Albtraum Teilnehmer am Burgtor – schön, die Radlkollegen endlich mal in „Real Life“ zu erleben. Das Radln unter Gleichgesinnten heben wir uns jedoch fürs nächste Jahr auf – denn ich mach erstmal ein weiteres Päuschen mit Käsekuchen auf der Burg. Landschaftlich der Hammer! Der fantastische Rundblick über das gesamte Ländle ist atemberaubend schön.

Es folgt einen rasante Abfahrt in das Dörfchen Owen bevor der nächste Anstieg kommt: Es geht hoch zur Burg Hohenneuffen. Hier ist ganz schön viel los, denn die mittelalterliche und sehr sehenswerte Burgruine ist ein beliebtes Ausflugsgebiet. Ich merke, dass ich mal was gescheites Essen muss und bin überglücklich über die Leib – und Magenspeise meiner Jugend: Linsen mit Spätzle! Schmeckt ganz hervorragend.

Auf Waldwegen geht es abwärts. Nach 130 Kilometern auf dem Albtraum Bikepacking Track erreiche ich Bad Urach. Ich kaufe noch einiges an Proviant bei Rewe ein. Wer weiß wann ich über die Feiertage und bei dieser abgeschiedenen Strecke wieder eine Einkaufsmöglichkeit finde?

Die Suche nach der Unterkunft für die Nacht

Es ist 19 Uhr und langsam aber sicher wird es Zeit, mir Gedanken um meine Unterkunft für die Nacht zu machen. Über Mapy.cz mach ich mich auf die Suche nach einer Schutzhütte, von denen es mehrere in der Nähe gibt. Die erste Hütte und der Grillplatz davor sind bereits von ein paar Jugendlichen belegt. Die wissen wegen Corona auch alle nicht, wo sie sich treffen sollen. Ich will nicht stören und fahre weiter. Mapy.cz leitet mich weiter zu einer Schutzhütte im Wohngebiet. Komisch. 10 Minuten später stehe ich vor einer Bushaltestelle – hier kann ich natürlich auch nicht bleiben.

Es geht also weiter, abseits des Tracks und hoch zur Burgruine Greifenstein. Auch hier ist die Schutzhütte bereits von Jugendlichen belegt. Doch der Tag war nach 150 Kilometern und 2.900 Höhenmetern anstrengend genug und ich richte mir ein Plätzchen in der Burgruine ein. Ich mache es mir unter freiem Himmel mit meinem Schlafsack auf meiner Isomatte bequem. 

Als Abendprogramm schaue ich mir die Instagram-Reels von @spatzemitsoos an. Hammer witzig, ich lach mit tot über den lustigen, derben Schwaben-Humor von Joy 🤣🤣🤣.

Gut gelaunt schlummere ich bald ein. Nachts wache ich auf, weil irgendetwas lautes neben meinen Ohren trommelt: Strömender REGEN! Ich ziehe so schnell es geht in die mittlerweile nicht mehr belegte Hütte um und bereue es in dem Moment natürlich, kein Zelt mitgenommen zu haben.

Albtraum Bikepacking Tag 2 - Regen an, Regen aus, Regen an, Regen aus.

Am nächsten Morgen hat es sich schön eingeregnet. Ich wache um 6 Uhr auf und schau mir die Wetterprognose an. Ich sitze erstmal fest, denn der Regen wird erst gegen 9 Uhr vorbei sein. Ich packe also ganz in Ruhe meine Sachen zusammen. Meine Motivation bei den Wetterbedingungen weiter zu fahren hält sich in Grenzen. Um 8:45 Uhr fahre ich trotz leichtem Nieselregen los!  Die Abfahrt von Burg Greifenstein auf steilen Trails ist sportlich und mit dem aufgeweichten Waldboden nochmal rutschiger. Mich legt es prompt einmal hin, weil mein Vorderrad im Schlamm seitlich wegrutscht. Gott sei Dank falle ich weich in den nassen Matsch. In Unterhausen trinke ich im Sonnenschein bei der Avia Tankstelle einen Kaffee und frühstücke erstmal. Frisch gestärkt und wieder motiviert geht es hoch zur Burg Lichtenstein.

Die Abkürzung

Doch leider kriege ich auf Burg Lichtenstein die nächste Regendusche ab. Es regnet in Strömen und ich knicke ein: ich beschließe den Albtraum abzukürzen. Ich hebe mir meine Körner für den Tuscany Trail eine Woche später auf und beschliesse den westlichen Teil der Route zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.

Ich plane über komoot meine Route um und finde eine Abkürzung des Tracks: Es geht von der Burg Lichtenstein auf Schotterstrasse nach Pfronstetten und von dort aus wieder auf den Track.

Oberschwäbische Kloster, Burgen und Täler

Es folgt eine wunderschöne Fahrt zum Geniessen, denn hier im Donautal ist es flacher als auf der Alb. Ich komme an den Klöstern Zwiefalten und Obermarchtal vorbei – Gottes Segen auf all meinen Wegen. Als  Highlight des Tages fahre ich schließlich durch das Lautertal. Hier bahnt sich das Flüsschen Lauter seinen Weg durch das Tal. Die glitzernde Lauter ist umgeben von kleinen malerischen Örtchen und 18 Burgruinen, die imposant zu beiden Seiten des Tals auf Felsen trohnen.

 

Ein letztes Mal geht es schließlich vom Lautertal hoch auf die Alb. Ab Indelhausen warten die letzten Höhenmeter des Tages auf mich bevor es ab Tiefenhülen wieder abwärts geht. Ich gebe noch einmal Gas und freu mich über die Sonnenstrahlen, die mich auf den letzten Metern begleiten. Bald bin ich Schmiechen, meinem Einstieg zur Albtraum Bikepacking Route angekommen – und von da aus geht es zurück zu meinen Eltern nach Ehingen.

Das Fazit - Albtraum Bikepacking

Mein Dank gilt erstmal Wolfgang und Manuel. Die beiden haben sich ein richtiges Bikepacking-Schmankerl einfallen lassen. Ich habe in diesen zwei Tagen mehr einsame Dörfer, Burgen, Kloster und Kapellen gesehen als in meiner Kindheit und Jugend. Wie schön, dass ich das mit meinem Rad erleben und vor allen Dingen neu kennenlernen konnte.

Grundsätzlich fand ich es sehr schade, dass es keinen gemeinsamen Start gab und ich keinen der anderen Albträumler  – ausser das kurze Treffen mit Sandra und Nick – kennenlernen konnte. Alleine unterwegs zu sein hat aber auch seinen Charme. Von daher war der Albtraum eine gute Gelegenheit mich mal wieder auf ein solo Abenteuer zu begeben. Wichtig ist vor allem daran zu denken, genug Proviant mitzunehmen. Denn die Einsamkeit der Region bzw. die Abgeschiedenheit der Wege macht eine Versorgung mit Essen und Trinken nicht gerade einfach – wobei das sicherlich auch den Feiertagen und den Corona-Bedingungen geschuldet war.

Das Biospährengebiet Schwäbische Alb hat landschaftlich und kulturell mehr zu bieten, als man denkt. Der Blick von oben auf eine Landschaft, die von Urmeeren und Vulkanen geformt ist, ist atemberaubend und entschädigt für jeden miesen Höhenmeter in den Beinen. Ich hab mich auf den zwei Tagen frisch ins Ländle verliebt. Auch wenn der Track recht anspruchsvoll ist freu mich schon darauf, den zweiten Teil der Tour nachzuholen – getreu dem Motto: „s’Läba isch koi Schlotzer, drum mach mers beschde draus!“

Wart Ihr auch schon einmal auf der Schwäbischen Alb unterwegs? Was waren Eure Highlights? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir einen Kommentar dazu schreiben würdet.

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