Das perfekte Bikepacking Rad

by Sara Hallbauer
0 comment

Was ist das perfekte Bikepacking Rad? Diese Frage kann ich Dir nicht pauschal nicht beantworten. Es kommt ganz darauf an, auf was Du Wert legst. Bevor Du Dir Dein erstes Bikepacking Rad zulegst, überlegst Du Dir am besten, was Dir beim Rad Fahren am meisten Spaß macht.

Die wichtigsten Fragen

  1. Bist Du lieber auf Schotter oder geschmeidig auf Asphalt unterwegs?
  2. Bist Du eher der sportliche Typ oder kurbelst Du lieber gemütlich?
  3. Wie lange soll Dein Trip dauern und wieviel Gepäck muss mit?

Wenn Du diese Fragen beantwortet hast, fällt die Antwort auf die Frage: „Was ist das perfekte Bikepacking Rad?“ nicht mehr schwer. Ich selber habe drei Fahrräder. Je nach Lust und Laune, Untergrund und Dauer der Tour fahre ich mit dem ein oder anderen. Dabei ist der Straßenbelag für mich das wichtigste Auswahlkriterium. Die folgenden Beispiele können Dir bei der Auswahl des perfekten Bikepacking Rads helfen: 

Straße - Mein Canyon Endurace CF SL DISC Di2 Aero WMN

Beschreibung - Canyon Endurace - Mein perfektes Bikepacking Rad für die Straße

Mein Canyon Endurace ist kein Rennrad im klassischen Sinne, sondern mein perfekter Begleiter für lange, sportliche Fahrten auf der Straße. Bei den langen Brevets habe ich oft  Gepäck dabei, deshalb eignet sich das Canyon Endurace auch sehr gut fürs Bikepacking.

  • Der Rahmen ist aus Carbon und sehr leicht. Das Rad bietet extrem viel Komfort auf langen Touren. Das liegt vor allem an der Rahmengeometrie. Du sitzt nicht so sportlich und gestreckt wie auf einem normalen Rennrad, sondern aufrechter und damit viel entspannter.
  • Die Sattelstütze am Heck federt Stöße und Unebenheiten im Boden sehr gut weg.
  • Ein weiteres schönes Feature ist das Aero Cockpit. Der Lenker ist breiter und bietet eine prima Auflagefläche für die Hände. Das hat leider den Nachteil, dass zusätzliche Komponenten, wie zum Beispiel Lampenhalterung oder Lenkeraufsätze nur schwer montiert werden können. Die runden Halterungen passen nicht auf einen Aero Lenker. 

Weitere Tipps:

  • Ich fahre das Rad mit 28″ Reifen. Sie sind breiter als bei einem klassischen Rennrad und deswegen viel bequemer. Ich kann breitere Reifen nur empfehlen, da sie auch kürzere Strecken auf Schotter gut überstehen.
  • Die Investition in die elektrische Schaltung (Shimano Ultegra Di2) war jeden Cent wert. Die Schaltung ist viel präziser als eine mechanische Schaltung. Ich schalte öfter, der Gang kommt ohne jegliches Geratter wie aus der Pistole geschossen. 
  • Der Leerlauf ist extrem übrigens extrem laut, was ich wiederum ganz cool finde. So bekommt das Fahrrad seinen eigenen Sound.

Einsatzmöglichkeiten

  • Ich fahre mit diesem Fahrrad bei langen Radmarathons wie zum Beispiel in Tannheim oder Imst mit. Einen Überblick über alle Radmarathons findet Ihr auf radmarathon.at.
  • Das Fahrrad eignet sich auch sehr gut, um bei Langstrecken Events wie z.B.  Brevets mitzufahren. Es gibt im süddeutschen Raum einige tolle Veranstaltungen: https://aramuc.de/
  • Sportlichen Challenges lassen sich mit diesem Bike sehr gut bewerkstelligen. Mein Beitrag „von München an den Gardasee in einem Tag“  berichtet von einer der längsten Fahrten, die ich bisher am Stück auf dem Rad gemacht habe.

Untergrund

  • Straße, Kopfsteinpflaster, kurze Strecken auf feinem Schotter

Gepäck

  • Tasche am Oberrohr
  • kleine Rahmentasche, damit Platz für die Trinkflaschen bleibt
  • Satteltasche leicht bepackt

Die Liste mit den Ausstattungs-Details meines Canyon Endurace findest Du hier.

 

Schotter - Mein Specialized Diverge X1 2019

Beschreibung - Mein perfektes Bikepacking Rad für Touren auf Schotter

Mein Specialized Diverge X1 kann einfach alles – es ist die perfekte Mischung zwischen Renn- und Mountainbike. Eine Kompromiss zwischen Geschwindigkeit und Geländetauglichkeit. Damit bist Du bestens für Deine nächste Tour abseits der Straße gerüstet.

  • Der Rahmen: Du sitzt hier komfortabler als auf einem Rennrad, d.h. Du bist nicht ganz so gestreckt und kannst über einen längeren Zeitraum fahren, ohne dass Dir Handgelenke und Rücken schmerzen.
  • Future Shock System: Mehr Komfort an der Gabel bietet eine im Steuerrohr integrierte Feder. Ist eine gute Erfindung, die anfangs gewöhnungsbedürftig ist: beim Antritt fehlt die vom Rennrad gewohnte Steifigkeit und die Feder schlägt schnell durch, wenn sie nicht richtig eingestellt ist.
  • Lenker: Als Lenker habe ich den Bontrager Elite VR CF Alloy verbauen lassen, da auch dieser Lenker etwas breiter und damit eine bessere Auflagefläche für die Hände bietet. Die im Lenker verbaute IsoZone Schaumstoffpads puffern Vibrationen sehr gut ab.
  • Ich fahre mein Diverge mit einer mechanischen 105er Schaltung. Ich habe bei meinem Gravelbike bewusst auf  eine elektronische Schaltung verzichtet. Zum einen aus Kostengründen, zum anderen weil sie leichter zu reparieren ist und keinen Strom braucht – was ein Vorteil sein kann, wenn Du ab vom Schuss unterwegs bist. 
  • Ich fahre das Rad je nach Untergrund mit zwei verschiedenen Reifen: den Schwalbe G.One Allround Performance Reifen und den WTB Riddler TCS Light Fast Rolling Reifen.

Einsatzmöglichkeiten

  • Ich nutzte mein Diverge als Winterrennrad und um damit in der kühleren Jahreszeit zur Arbeit zu fahren.
  • Da das Diverge mit einem zusätzlichen Kettenblatt bestückt ist, komme ich trotz Rennrad Gangschaltung sehr gut steile Anstiege hoch. Ich nutze es also auch als Mountainbike Ersatz für technisch einfach Strecken wie zum Beispiel steile Wirtschaftswege
  • Ich habe mich bewusst gegen eine Shimano GRX 1 entschieden, da hier definitiv ein Berggang fehlt. 
  • Das Diverge ist perfekt geeignet um bei Gravel Tages-Events teilzunehmen.

Was es zu beachten gilt

  • Mein Diverge X1 2019  bietet lediglich 3 Flaschenhalterungen
  • Es hat keine Ösen, um Taschen für lange Route zu verschrauben. Die Taschen können also nur mit Klettverschluss angebracht werden.
  • Die Gabel bietet maximal Platz für offiziell 40 mm, inoffiziell 42 mm breite Reifen. Mit meinem WTB Reifen wird das knapp und wenn sich im feuchten Gelände auch noch Matsch ablagert, könnte das zu einer Blockade des Reifens führen.
  • In der 2021er Version hat Specialized sein Diverge komplett überarbeitet und alle hier genannten Kritikpunkte behoben. Einen tollen Testbericht zum neuen Diverge findet Ihr hier

Untergrund

  • Asphalt, Schotterstraßen, Kopfsteinpflaster, einfache Trails

Gepäck

  •  mittelschweres Bikepacking, Tasche am Sattel, Lenker und im Rahmen.

Die Liste mit den Ausstattungs-Details meines Specialized Diverge X1 findest Du hier.

 

Offroad - Mein Salsa Cutthroat

Beschreibung - Mein perfektes Bikepacking Rad für wildes und technisches Gelände

Da ist es also – mein Abenteuer Radl. Mit dicken Reifen, die ich zugegebener Maßen erstmal lieb gewinnen musste. War ich doch nach Jahren auf dem Rennrad anderes gewohnt. Doch zu meiner großen Überraschung und Freude ist das Salsa richtig schnell unterwegs.

  • Die Geometrie des Rades ist ungewöhnlich und ähnelt am ehestem einem Mountainbike. Du sitzt sehr aufrecht und die sehr hohe Front kannte ich so von keinem anderen Bike. Das liegt daran, dass das Rahmendreieck extra groß gestaltet ist um so viel Platz wie möglich für eine Rahmentasche zu bieten.
  • Das  Cutthroat bietet Dir Anschraubpunkte für sechs Flaschenhalter und für Deine Radtaschen. Du kannst das Fahrrad mit richtig viel Gepäck beladen.
  • Die Carbon Gabel bietet richtig viel Platz für bis zu 2,5″ breite 29er Reifen, damit bist Du sehr flexibel und kommst auch im Matsch gut vorwärts.
  • Ich fahre das Rad mit Vittoria Mezcal III TNT G2.25 29″ Faltreifen. Diese sind aufgrund ihres geringen Rollwiderstands sehr schnell und beweisen ihr Können vor allem auf schottrigen Downhills. Da kann kein schmallippiges Gravelbike mithalten.

Weitere Tipps:

  • Die Schaltgruppe ist eine Mischung aus dem Rennradbereich und dem MTB Bereich. Das nennt sich dann Mullet. Das bedeutet übersetzt so viel wie “VO-KU-HI- LA”. Vorne kurz bedeutet “business” im Sinne einer Rennradausstattung, und hinten lang meint “Spaß“ im Sinne einer MTB Ausstattung. 
  • Ich habe mich bei meinem Cutthroat für eine SRAM Rival als Schaltgruppe entschieden, da diese bereits sehr erprobt ist und viele mögliche “Hacks” anbietet um eine größere Bandbreite in den Gängen zu erreichen. Das Hinterrad dagegen läuft mit einer MTB Nabe und einer Kassette, die ein sehr hohes Spektrum an Gängen bietet.
  • Bei den Laufrädern habe ich weniger auf Gewicht, sondern mehr auf Robustheit geachtet. Die Laufräder sind zwar etwas schwerer, dafür aber absolut unkaputtbar. Ein ganz besonderes Highlight sind die lila Nippel. In meinem Stall mit schwarzen Rädern musste endlich ein bisschen Farbe einziehen 🙂

Einsatzmöglichkeiten

  • Das Salsa ist das ideale Fahrrad um damit ultra lange Radstrecken zu bewältigen, bei denen Du mehrere Tage hintereinander im Sattel sitzt und der Untergrund rau und technisch ist.
  • Ich selber hatte es mir gekauft um die Great Divide Mountain Bike Route zu fahren – von Canada an die mexikanische Grenze. Da ich die Route aufgrund Corona leider nicht fahren kann, hab ich kurzfristig umdisponiert: Statt Great Divide heißt es nun Bikepacking Transgermany. Ein Bericht dazu findet Ihr hier

Was es zu beachten gilt

  • Es war gar nicht so einfach passende Taschen für mein Salsa Cutthroat zu finden. Beim Hersteller selber und bei den meisten Händlern waren die Rahmentaschen gerade für kleine Rahmengrößen ausverkauft.
  • Ich würde dieses Rad auf jeden Fall wieder individuell aufbauen. Es hat sich sehr gelohnt in hydraulische Scheibenbremsen zu investieren, da ein gutes Bremsverhalten auf einer ruppigen Tour  auf unbekannter Strecke extrem wichtig ist. Außerdem bietet die eThirteen 9-46 Kassette einen so großen Spielraum an Gängen, auf die ich auf gar keinen Fall mehr verzichten wollte. 

Untergrund

  • Technisch anspruchsvolle Trails und grobe Schotterwege, verwurzelte Waldwege
  • Sehr schnell auf einfachen Schotterpisten unterwegs

Gepäck

Das Rad kann ordentlich bepackt werden, es bietet 6 Flaschenhalterungen am Rahmen und an der Gabel.

 

Die Liste mit den Ausstattungs-Details meines Salsa Cuthhroat findest Du hier.

Fazit - Gibt es das perfekte Bikepacking Rad?

Die Antwort auf die Frage „Was ist das perfekte Bikepacking Rad?“ sieht für jeden anders aus. Zusammengefasst lässt sich folgendes festhalten: 

  • Straße, Schotter oder Abenteuer? Es macht auf jeden Fall Sinn, Dir Gedanken zu machen auf welchem Untergrund Du am liebsten unterwegs bist. Im Zweifel würde ich lieber ein Fahrrad und entsprechende Reifen wählen, die sich für einen gröberen Untergrund eignen.
  • Außerdem spielt die Sitzposition eine wichtige Rolle, da sie einen wesentlichen Einfluss darauf hat wie lange Du unterwegs sein kannst, ohne dass Dir irgendwas weh tut. Im Zweifel rate ich deshalb immer zu einer aufrechteren Sitzposition, da sie bequemer ist. 
  • Bevor Du Dir ein neues Fahrrad kaufst, gäbe es ja noch die Möglichkeit,  Deine Routen auf das Fahrrad anzupassen, das Du schon besitzt – wobei ich bei dem Aspekt, sicherlich nicht das beste Vorbild bin. Folgendes Zitat passt da schon eher:  
Zitat: Du kannst nicht genügend Fahrräder haben

Stop! Bevor Du weitergehts würde mich interessieren, welches Bikepacking Rad Du Dir ausgesucht hast? Ich freu mich über einen Kommentar von Dir. 

You may also like

Leave a Comment

* By using this form you agree with the storage and handling of your data by this website.