Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad

by Sara Hallbauer
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Im Jahr 2020 haben es mir die Divides angetan. Nach unserem Bikepacking Transgermany Trip bin ich von dem Gedanken, ein Land per Fahrrad zu durchqueren total fasziniert. Wohin soll es als nächstes gehen? Die Wahl fällt auf eine Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad. Genau das richtige für mein Canyon Endurace.

  • Die Idee, vom einen Meer ans andere zu fahren, hat einen besonderen Charme. Jeder Tag „on the road“ ist viel aufregender als eine Woche im gleichen Hotel am selben Standort
  • Die Pyrenäen sind wild und einsam. Keine Sportwägen und Motorräder, die Dich von der Straße drängen
  • Die Straßen sind aufgrund der Tour de France in einem sehr guten Zustand 
  • Die Leute und Hotels dort unten sind einfach und rustikal – es braucht nicht mehr um glücklich zu sein
  • Die Pyrenäen bieten einen Pässe-Klassiker nach dem anderen: Col de Tourmalet, Col d’Aubisque, Col de Aspin

In diesem Artikel erfahrt Ihr alles, was Ihr braucht, um Euch eigenständig auf den Weg zu machen – und wenn noch Fragen offen sind, schreibt mir einfach.

Die Key Facts zur Strecke

Von Saint Jean de Luz am Atlantik bis nach Argelès Plage am Mittelmeer stehen 850 Kilometer, 20.000 Höhenmeter und 21 Pässe auf dem Programm. Auf geht’s!

Distanz: 850 km

Anstieg: 20.000 hm

.Höchster Punkt: Col du Tourmalet (2.115 m)

Dauer: 8 Tage

Die Route

Eine Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad lässt sich prima in etwas mehr als einer Woche mit dem Rennrad bewerkstelligen. Die 850 Kilometer Gesamtstrecke lassen sich dabei sehr gut auf acht Etappen à jeweils ca. 100 Kilometer aufteilen.

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Die Story

Nach 16 stündiger Busfahrt von Freiburg nach Saint Jean de Luz kommen wir endlich am Atlantik an. Ich bin groggy, da ich die Nacht im Bus kaum geschlafen habe. Es sind 36 Grad, wir sind am Meer, es ist heiß und schwül. Ich hoffe, dass es sich in den Bergen abkühlen wird. Wir starten eine kleine Runde zum Col d’Ignace auf 169 m. Der erste Pass wäre geschafft und die Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad kann starten.

Etappe 1: Einrollen im Baskenland

Los geht’s am nächsten Morgen um 9 Uhr. Ich freu mich unendlich, dass es ENDLICH losgeht. Der erste Radurlaub im Ausland in diesem verrückten Corona Jahr. Noch schnell ein Foto von mir am Atlantik gemacht und ab gehts ins Landesinnere. Ein Abbiegen auf die spanische Seite ist eben wegen Corona dieses Jahr nicht möglich. So rollert die gut gelaunte Truppe 70 Kilometer durch das wunderschöne Nive Tal. Zum Glück ist es bewölkt und wie erhofft ist es im Landesinneren deutlich kühler als am Atlantik.

Ab Jean-de-Pied-de-Port heißt es „Kette links“. Unfassbar welch steile Rampen sich mir entgegenstellen. Ich bin froh, dass meine Beine noch frisch sind und wuchte mich nach oben auf ein Hochplateau. „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“ denke ich mir. Von der schönen Aussicht am Col d’Arnostéguy ist nicht viel übrig. Wir fahren durch dicke Nebenschwaden und können kaum die Fahrer, Kühe oder Schafe vor uns erkennen. Absolut mystisch. Unser Hotel liegt in Estérencuby. Absolutes Pyrenäen Niemandsland. Ohne Handyempfang. So hab ich mir das vorgestellt.

Hungrig und nassgeschwitzt stehen wir nach 7 Stunden Fahrt vor den Pforten unseres einfachen und rustikalen Hotels. Wir wünschen uns nichts sehnlicher als eine heiße Dusche und etwas Warmes zum Essen. Doch da platzt die Bombe: Der Hotelchef wundert sich, dass wir vor seiner Türe stehen. Er dachte wir kommen coronabedingt erst nächstes Jahr. Grand Malheuer. Wir teilen also alle Mitfahrer auf die verbleibenden Zimmer auf. Die Durchquerung der Pyrenäen mit dem Rennrad fühlt sich an wie eine Woche Klassenfahrt. Wer von uns hat sich nicht schon mal gewünscht, wieder jung zu sein?

Etappe 2: Esterencuby - Oloron

Am nächsten Morgen können wir unser Glück kaum fassen. Die Tour de France, die coronabedingt auf den September verschoben wurde, ist heute auf demselben Berg wie wir. Nur etwa 2 Stunden vor uns fahren die Profis, wahrscheinlich fünfmal so schnell wie wir. Top motiviert treten wir in die Pedale. Es folgt Pass auf Pass. Die baskischen Namen sagen mir alle nichts, sind aber sehr gut zu fahren. Los geht es mit dem steilen Col Arranohegi, gefolgt von Col de Sourzay und Col Bagargui. Die Strassen sind alle in sehr gutem Zustand. Im Gegensatz zu Italien ein erfreulicher Unterschied.
Nach der Mittagspause nehmen wir den mächtigen Col du Soudet in Angriff und ich fühle mich wie ein Profi. Die Menschen am Rande der Straße feuern mich begeistert an, als ich durch die verbleibenden Bögen der Tour de France fahre. Mit der neu gewonnenen Energie trete ich gleich ein bisschen schneller in die Pedale und lasse mir die Anstrengung nicht anmerken. Insgesamt eine tolle Stimmung. Peter Sagan war heut auch schon hier? Cool 🙂

Etappe 3: Oloron - Luz-Saint Sauver

Auch der dritte Tag hat es höhenmeter-technisch in sich. Wir kommen zu den Tour de France Klassikern. Es fängt entspannt an – durch das Tal Vallée d’Ossau geht es mit nur leichter Steigung stetig hinauf. Ich bin vor allem von der Einfachheit der Pyrenäen stark beeindruckt. Hier ist kein Mensch unterwegs – keine Sportwägen und keine Motorräder, die Dich schier mit lautem Gebrüll über den Haufen fahren. Ziegen, Pferde und Kühe bewegen sich frei im Gelände und auf den Strassen. Alle Achtung gilt vor allem in der Abfahrt: Die süssen Zottelviecher wollen umfahren werden. Kuh- und Ziegenmist in Kombination mit Nieselregen macht die Strasse glitschig und das Radl dreckig. Da wünscht man sich ausnahmsweise doch mal Schutzbleche.

Wir nehmen die nächsten 700 Höhenmeter in Angriff, es geht auf den Col de Marie-Blanque, der erste Pass des Tages auf 1.035 Meter Höhe. Nach einer kleinen Pause im Tour-de-France Städtchen Laruns erklimmen wir den Col d’Aubisque auf 1.709 Höhenmetern. Im Anschluss wartet der Cirque du Litor auf uns, die traumhafte Höhenstrasse zwischen Col d’Aubisque und Col de Soulor.

Etappe 4: Luz- Saint-Sauveur - Bagnères de Luchon

Nach drei intensiven Radl-Tagen machen sich meine Beine bemerkbar. Doch am vierten Tag meiner Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad steht die Königsetappe an. Mit den Klassikern Col du Tourmalet, Col d’Aspin und dem Col d’Peyresourde geht es höhenmeter technisch echt zur Sache. Trotz müder Beine finde ich es genial hier zu sein. Die Namen dieser Pässe kennt ich zwar aus dem Fernsehen, jetzt erst kann ich mir etwas drunter vorstellen.

Wir erklimmen den Tourmalet von der deutlich schöneren Westseite. Vom sich anschließenden Col d’Aspin genießen wir die rasante Abfahrt in Richtung Arreau. Damit wäre eigentlich schon eine vollwertige Etappe absolviert, doch wir fahren auch noch über den Col de Peyresourde. Die Gedanken an die Crépebude am Gipfel des Col de Peyresourde machen die Schmerzen erträglich. Die Crèpes schmecken wunderbar und sind nach dieser (Tor-) Tour mehr als verdient.

Etappe 5: Bagnères de Luchon - Oust

Und weiter geht’s mit meiner Pässe-Sammlung: Es geht über den Col de Mente und die steile Westrampe hinauf zum Col de Portet d’Aspet und den Col de lade Core (1.395) in das Städtchen Oust.

Abends im Hotel merke ich wie müde meine Beine sind. Die Höhenmeter haben ihre Spuren hinterlassen. Ein Ruhetage ist auf unserer Tour nicht vorgesehen und mein Körper sagt, dass es Zeit für eine leichtere Etappe wird. Einer meiner Mitradler empfiehlt mir Pferdesalbe und leiht mir ein bisschen was davon aus. Echt jetzt, Pferdesalbe? Ich bin doch noch nicht soooo alt. Das Mittel wirkt jedoch Wunder und ist für mich DIE Entdeckung des gesamten Urlaubes. 

Etappe 6: Oust - Ax-les-Thermes

Da ist sie – die leichtere Etappe. Gott sei Dank. Wir machen heute zwar Abstriche bei den Höhenmetern und der Steigung in Prozent aber nicht landschaftlich. Ein einsames Pässedouble in der Ariège steht auf dem Programm. Über den Col’Agnes geht es über eine wunderschöne und aussichtsreiche Höhenstrasse zum Port de Lers und schließlich auf einer kurvigen Abfahrt hinunter in den Kurort Ax-les-Thermes.

Etappe 7: Ax-les-Thermes - Vernet-les-Bains 

Mit dieser Etappe verlassen wir die Hoch-Pyrenäen und langsam aber sicher wird es wärmer. An der Architektur der Häuser und der trockeneren Landschaft merkt man deutlich, dass das Mittelmeer nicht mehr weit sein kann. Ein letzter großer Pyrenäen Klassiker steht mir noch bevor. Der Port de Pailhères auf 2.014 Metern ist einer der schönsten Gipfel der ganzen Tour. Die wunderschöne Serpentinenabfahrt auf der Ostseite führt uns ins Aude Tal. Dort wartet noch der Col de Jau auf 1.513 Metern Höhe auf uns, der letzte große Pass auf unserer Tour.

Etappe 8: Vernet les Bains - Argelès Plage

Wir haben die Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad bald geschafft! Die Vorfreude am letzten Tag der Tour ist riesig. Aber gleichzeitig auch die Wehmut, dass die Tour am heutigen Abend vorbei sein wird. Zunächst fahren wir durch das Tal de Tet zum Col de Palomère. Von hieraus geht es nur noch bergab. Ausrollen bis ans Mittelmeer, bis nach Argelès-Plage. Es folgt das traditionelle Foto Finish am Strand, mit dem Vorderrad in der Brandung. Wir umarmen uns alle, dass wir dieses gemeinsame Erlebnis geschafft haben.

Sara am MIttelmeer - Pyrenäen Durchquerung Rennrad

Fazit Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad

Eine Woche Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad. Ich hab soviel erlebt, dass es mir viel länger vorkommt. So ein schönes, einfaches Leben. Jeder Tag im gleichen Rhythmus: Eat, Sleep, Cycle, Repeat. Die Pyrenäen bestechen durch ihre rustikale Schönheit, die Einsamkeit und die Einfachheit der Leute und der Unterkünfte. 

Es wird nicht mein letzter Besuch dort unten gewesen sein. Schließlich wartet noch die andere Seite auf mich – vom Mittelmeer an den Atlantik. Mein Dank geht an Quael-Dich.de für eine gelungene Organisation der Tour. Jetzt, wo mir die Region nicht mehr unbekannt ist, verspüre ich eine große Lust, die Tour nochmals zu machen. Das nächste Mal würde ich mir jedoch mein Gravelbike schnappen und alleine losziehen, um der Tour mehr Abwechslung und Abenteuer zu verleihen. Wer von Euch kommt mit? Schreibt mir gerne einen Kommentar unten in das Formular.

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