Auf Achterbahnfahrt durch Frankreich – die 10 schönsten Pässe des Race across France

by Sara Hallbauer

40 Gipfel und 37.000 Höhenmeter waren auf meinem Race across France Abenteuer zu überwinden. “Vollgas voraus” war da die Devise, da ich aufgrund der harten Cut off-Times an den Checkpunkten wirklich keine Zeit zu verlieren hatte. Mein Erfahrungsbericht zum Race across France liest sich deshalb wie eine reine Aufzählung: „Zuerst der Iséran, dann der Télégraf, dann der Galibier und danach auch noch hoch auf den Col de Sarenne”. 

In diesem Beitrag möchte ich auf die schönsten Pässe des Race across France genauer eingehen, da sie zum einen zu den Highlights der Tour gehören und sie zum anderen der eigentliche Grund für meine Anmeldung beim Race across France waren. Das Höhenprofil findet Ihr beim Klick auf das jeweilige Strava-Segment, das ich Euch verlinkt hab. 

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Mit dem Col de la Colombière auf 1.618 Metern Höhe erklimme ich am fünften Tag des Race across France meinen ersten richtig großen Pass in den französischen Alpen. Ab hier beginnt die Route des Grandes Alpes. 1.470 gefahrene Kilometer liegen bereits hinter mir. 

Von Le Grand Bornand fahre ich die Südwestrampe 11,8 km und 686 Hm mit einer durchschnittlichen Steigung von 5,8% hinauf. Anfangs ist der Aufstieg zum Col de la Colombière sicherlich nicht der schönste – Grand Bornand ist ein typisches französisches Skiressort, für den Tourismus ausgelegt. Die Poller rechts neben der Straße geben die Distanz zum Gipfel, die aktuelle Höhe und die Durchschnittssteigung an. Diese Infos und auch die Steigung sind sehr angenehm. Die Straße ist gut befahren und das Restaurant oben am Gipfel zwischen grünen Almen gut besucht. Hier ist auch nichts mehr von Skiressort Atmosphäre zu spüren. Schön hier oben! Schnell noch ein Gipfel-Selfie und weiter gehts, mit dem…

Col de Saisies (1.657 m)

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Der Col des Saisies liegt auf 1.657 Metern Höhe. Ich erklimme den Pass über die Nordauffahrt. Von Flumet sind es bis zum Gipfel 14,5 km, 780 hm und angenehme 5,4% Steigung. Zwischendurch laden zwei Flach-Stücke dazu ein, sich etwas zu erholen und die Steigung nicht als anstrengend wahrzunehmen. Eigentlich ist der Col de Saisies ja nur ein Berg, ein zu vernachlässigender Zwischenstopp, auf dem Weg zum Highlight der gesamten Alpenpässe – zum Cormet de Roselend.

Cormet de Roselend (1.968 m)

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Wow. Ich bin schockverliebt. In den schönsten aller Pässe, den ich bisher gefahren bin. Was sicherlich auch daran liegt, dass ich den Cormet de Roselend in einem wunderschönen Licht am späten Nachmittag erklimme. Es hat geregnet, die Straßen sind noch nass. Die Wälder grün, die Berglandschaft imposant, ein Regenbogen über den Gipfeln. 

Der Cormet de Roselend liegt auf 1.968 Metern. Der Pass verbindet Beaufort im Doron-Tal mit Bourg Saint Maurice im Tal der Isère. Von Beaufort steige ich über die Nordwestauffahrt 19,5 km, 1.224 hm auf mit einer Steigung von 6,3 %. Anfangs führt die Straße noch durch bewaldetes Gebiet über den vorgelagerten Col du Meraillet. Später wird der Blick auf den wunderschön gelegenen Lac de Roselend, ein auf 1.533 Metern gelegener Stausee, frei. Die Steigung ist gleichmäßig, der Pass ist nicht allzu schwer. Je weiter ich nach oben steige, desto unwirklicher wirkt das alles und desto einsamer bin ich unterwegs. Die Mischung aus kargem Gestein und sattem Grün, den nassen Straßen und die gute, frische Luft lassen die letzten Höhenmeter schnell vergehen. 

Col de l’Iséran (2.764 m)

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Am selben Abend mache ich mich noch auf, den Col de l’Iséran zu erklimmen. Das Monster – der mit 2.764 m höchste aller Alpenpässe (Auf den Plätzen zwei und drei folgen das Stilfser Joch (2.557 m) und der Col Agnel (2.744 m)). Es liegt eine 44 Kilometer lange Auffahrt vor mir, als ich das kleine Dörfchen Séez passiere. Ich muss 1.900 hm hoch, mit einer Steigung von 4,2 %. 

Im Dörfchen Sainte-Foy-Tarantaise lege ich eine kurze Pause ein und schlafe ein paar Stündchen. Um vier Uhr morgens sitze ich wieder auf dem Rad und fahre im Dunkeln am Lac du Chevril vorbei, der das Flüsschen Isère, nach dem der Col benannt ist, aufstaut. Danach folgt Val d’Isère, der bekannte französische Skiort. Über den Bergen machen sich die ersten Sonnenstrahlen breit, die bereits über die Bergkuppen blitzen. Es ist eine besondere Stimmung, hier so früh unterwegs zu sein. 

Die Auffahrt ist schlicht, karg, hochalpin. Die Strasse ist recht gerade, Skilifte rechts und links prägen das Bild. Die Luft wird hier ganz schön dünn und es ist sehr kalt. Pünktlich um 7 stehe ich schließlich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen des Tages am Gipfel. Ein schnelles Gipfelfoto und ab geht’s in die über 70 Kilometer lange Abfahrt nach Saint-Michel-de-Maurienne.

Col du Télégraphe (1.566 m)

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Ab Saint-Michel-de-Maurienne erwartet mich eine 12 km lange Auffahrt mit einer Steigung von 7,1% auf den Col du Télégraphe. Es gilt über die Nordrampe 854 Höhenmeter zu überwinden. Als ich mich an den Aufstieg mache, setzt Nieselregen ein. Die Straße führt über mehrere Kurven und Kehren an bewaldeten Hängen entlang – ohne nennenswerte Steilrampen, hier kurbelt es sich gleichmäßig nach oben. Es ist neblig und als ich am Gipfel ankomme, hat sich der Niesel zu einem ordentlichen Gewitter gewandelt, es ist kalt. Das wiederum würde mir eigentlich keine Sorgen bereiten, wenn mein Tag im Skiort Valloire enden würde. 

Der Télégraphe ist der kleine Bruder des Galibier

Doch der Télégraphe ist nur ein Übergang zu seinem großen Bruder Col du Galibier, den ich heute noch packen muss, um im Zeitrahmen zu bleiben. Ich mache eine Pause im Relais du Télégraphe, ein kleines Cafe am Gipfel und überlege, wie ich das wohl anstellen soll. Auf den Galibier hoch zu radeln, ist nicht das Problem – doch bei dieser Kälte im Regen wieder abzufahren – unmöglich! Ich mache mich auf die kurze Abfahrt nach Valloire (Höhenverlust 174 Meter auf 5 Kilometern) und kaufe in einem Sportgeschäft eine dickere Regenjacke, eine lange Merino Unterhose, ein. Dick eingepackt, mit Kapuze unter dem Helm mache ich mich auf den Weg weiter nach oben.

Col du Galibier (2.645 m)

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“....Cause nothin' lasts forever…even cold November rain”

Guns N' Roses, Songtext aus November Rain

November Rain von Guns n‘ Roses dröhnt in meinen Ohren als ich mich im strömenden Regen auf den Galibier mache. Der Berg zählt zu den bekanntesten klassischen Anstiegen der Tour de France und ist mit seinen 2.645 m der fünfhöchste asphaltierte Alpenpass. Ein Tour de France Klassiker, der auch zur Route des Grands Alpes gehört. 

Regen prasselt auf meine Kapuze – das Geräusch hat etwas meditatives, als ich zunächst noch relativ flach unterwegs durch das  Hochtal des Baches La Valoirette fahre. Von Valloire aus sind es insgesamt 17,6 Kilometer, 1.220 hm mit einer Steigung von 6,9%.  Als sich die Felswände vor mir auftun, wird es spektakulär und ich gewinne schnell an Höhe. Kehre um Kehre schlängele ich mich durch die karge Mondlandschaft nach oben, den Blick aufgrund des Regens nach unten gerichtet. Gut so, dann hab ich dieses Brett nicht ständig vor Augen.  Zwischendurch ist der Weg ganz schön steil, was super ist, denn so bleibe ich warm. Die vielen Kehren bieten mental sehr viel Abwechslung.

Schließlich kommt der Scheiteltunnel in Sicht, doch die Durchfahrt ist für Radfahrer verboten. Auf geht’s zum Schlussanstieg, die Rampe ist ziemlich steil. Die Passhöhe mit dem bekannten Schild liegt in einer Kurve. Bei diesem Wetter ist hier Gott sei Dank nicht viel los und ich muss zum Gipfel-Bild nicht anstehen. Das Panorama hier oben wäre sicherlich gigantisch, doch im Regen ist die Sicht leider nicht berauschend. 

Die Abfahrt über den Col du Lautaret ist eiskalt, Frost ist am Rand der Straße zu erkennen – und ich? Mir geht’s in meinen unsexy Merino Unterhosen in Größe XL unter meiner Goretex Regenhose prima – innerlicher Zwischen-Jubel, ich hab das Biest bezwungen und bin weiter im Rennen 🙂 

Col de Sarenne (1.999 m)

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Der Aufstieg zum Col de Sarenne beginnt am Stausee Barrage du Chambon. Endlich hat es aufgehört zu regnen und in der Abendsonne steige ich auf zur Passhöhe. Die Straße  ist schmal, unbefahren und etwas holprig. Der Anstieg ist jedoch wunderschön, wild, einsam und eher unbekannt – obwohl er in den weltberühmten Skiort Alpe d’Huez führt, wird eben dieser Skiort eher von der anderen Seite angegangen. Die Auffahrt ist 12,5 km lang. 996 Höhenmeter sind zu überwinden. Bei 8% durchschnittlicher Steigung sind einige fiese Rampen zu überwinden, die Steigung ist sehr unregelmäßig. Oben angekommen wartet nur ein Parkplatz und ein kleines Pässe Schild auf die Radler. Der Col de Sarenne ist sicherlich die bessere und wildere Art Alpes d’Huez zu besteigen.

Col du Glandon (1.924 m)

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Der Glandon ist abwechslungsreich, verkehrsarm und landschaftlich wunderschön. Da er nicht zur Route des Grandes Alpes gehört, ist hier auch viel weniger los als auf den bisherigen Gipfeln. Mein Aufstieg beginnt in Oz und führt am Stausee Lac de Grand Maison vorbei. Mit den aufgehenden Sonnenstrahlen arbeite ich mich Kilometer um Kilometer durch einsame Landschaften nach oben. Gut, dass meine Wasserflaschen gefüllt sind. Schließlich stehe ich um 7 Uhr morgens auf dem Gipfel.  Von hier aus könnte ich noch einen Abstecher zum bekannteren Croix de Fer auf 2.067 m machen. Doch meine Route führt über die sehr steile Nordseite hinunter nach Sainte-Marie-de Cuines. 

Col de la Machine/ Route Du Combe Laval (1.011 m)

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Die Route du Combe Laval ist eine der schönsten Panoramastraßen auf der ich je unterwegs war. Sie verbindet St-Jean-en-Royans mit dem Col de la Machine. Der erste Teil des Anstiegs ist recht steil und noch nicht wirklich sehenswert, eine von Wald umgebene Straße führt nach oben zum Vorgipfel Col Gaudissart auf 840 Meter Höhe. Insgesamt liegen 11,7 km und 787 Höhenmeter vor mir. 

Hier erst beginnt die eigentliche Route du Combe Laval: Das kurvenreiche Sträßchen ist über eine Strecke von 4 Kilometern aus dem Fels heraus gehauen und führt an der Laval-Schlucht stets nach oben, durch Felsbögen, an Felsvorsprüngen und Aussichtsplattformen vorbei. Ein kurzer Halt, um einen Blick in die Schlucht zu werfen, die 600 Meter unter mir liegt. Da muss man ganz schön schwindelfrei sein und aufpassen, dass man nicht über die lächerlich niedrige Mauer am Strassenrand fällt. Diese atemberaubende Strecke ist leider viel zu kurz und endet schließlich am vielbefahrenen und eher unspektakulären Col de la Machine auf 1.011 Meter Höhe. 

Mont Ventoux (1.909 m)

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Da ist er – der letzte große Berg auf meiner Tour. Schon von weitem ist der Gigant der Provence zu erkennen. Als ich abends um 19 Uhr in Malaucène am Fusse des Ventoux ankomme, bin ich ganz schön müde. 40 Grad Hitze in der Provence sind das genaue Gegenteil meiner bisherigen Fahrt durch den Regen –  meine Beine sind aufgrund der Hitze geschwollen. Nach einer ordentlichen Pause mache ich mich auf. Es liegen 20,9 Kilometer und 1.576 Höhenmeter über die Westrampe vor mir. Im Sonnenuntergang eine tolle Stimmung, außer mir und ein paar Campern ist hier keiner mehr unterwegs. Kaum Wind, die Straße ist durch die umliegenden Bäume geschützt. 

Entlang der Auffahrt geben mir Kilometersteine einen Überblick über die durchschnittliche Steigung, die verbleibende Strecke bis zum Gipfel und die momentane Höhe durch. Die Steigungen sind happig, da unregelmäßig. Viele Abschnitte liegen bei 11%-15%. Doch so schlimm wie in all den gelesenen Geschichten finde ich diesen Ventoux gar nicht. Bis ich schließlich in der Dämmerung das Chalet Renard erreiche und mir ab hier der Mistral mit voller Wucht entgegen bläst.

Ich bin an der Baumgrenze angekommen und das bekomme ich ordentlich zu spüren. Ich kämpfe mich die letzten Meter nach oben und versuche die Windböen so gut es geht abzufedern. Es ist stockdunkel, der Turm mit seinen roten Lichtern ragt bedrohlich über mir. Von der Geröllwüste um mich herum bekomme ich nicht viel zu sehen. Der Wind tost in meinen Ohren, als ich nachts um 22:51 Mutterseelen allein auf dem sagenumwobendsten Berg Frankreichs stehe. Schnell weg hier, es ist ungemütlich. Mit einem Fuss aus dem Pedal, um den Wind besser ausgleichen zu können, und der Hand am Bremszug roller ich nach unten. 

Fazit - Die schönsten Race across France Pässe

Ich freu mich riesig, dass ich all diese Berge nun endlich gesehen, erfahren, erlebt habe. Speed-Dating mit den hohen Herren Frankreichs: Nachts auf dem Ventoux, im Regen auf dem Galibier, mit den ersten Sonnenstrahlen auf dem Iséran! Was für ein Hoch und Runter, was für eine geniale Achterbahnfahrt – sowohl physisch als auch mental. Schaff ichs oder schaff ichs nicht? Soll ich es noch wagen oder doch lieber nicht?

Abschließend kann ich sagen: Die französischen Alpenpässe haben mich geschafft und ich habe sie geschafft – was für eine sensationelle Collection. Und falls Ihr nächsten Sommer noch nichts vorhabt: Bitte unbedingt einmal Track runterladen und nachfahren. Es lohnt sich, versprochen!

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Fotos: Sara Hallbauer, Quentin Iglésis

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